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"11 orgies of massenjoyment on the dark side of the planet"
 

Das Gute an einem Avatar ist, dass er der jeweiligen Gemütsverfassung seines Schöpfers angepasst werden kann. Das Kunstgeschöpf, mit dem wir es hier zu tun haben, hat so viele Gestalten, wie .enetics Titel hat.
Aber eins nach dem anderen. Ein Avatar ist ein künstliches Ich, mit dem der Chatter sich im Netz Gestalt verleiht. Dazu wählt er eine beliebige Außenhülle, entscheidet sich für Haarfarbe, Gestalt, Erscheinung. Avatare bewohnen virtuelle Städte, Häuser und verleihen ihrem Macher Persönlichkeit in der Anonymität des Internet.
Anonymität gibt es auch in der Musikszene mehr als genug. Um so mutiger sind EverEve, statt eines einzelnen Abziehbildes ihrer selbst gleich eine Vielfalt von Wesen auf den Markt zu werfen. Denn der Avatar, von dem wir reden, IST EverEve, verkörpert Teile jedes einzelnen Bandmitgliedes und durchmischt sich dabei in kurzen Abständen neu.
Die Fülle dessen, was diese Band über die gemeinsamen, mittlerweile fast sieben Jahre geprägt hat, fordert den Hörer. Schaffen wir uns einen virtuellen Avatar als Abbild dieser Vielfalt, den Ever-tar. Er verkörpert das Spiel mit Images, verwandelt sich vom übelst tätowierten Nu-Metaller zum sanftmütigen Alternativerocker und dann wieder in einen Cyber-Elektroniker in silberfarbenem Lack.
Ein einziges Outfit würde dieses Geschöpf einengen, erdrücken und beschneiden. EverEve hören impliziert bereit sein für stilistische Fortbewegung. Wer viel erlebt hat, kann bestätigen: Das Leben lässt sich nicht kategorisieren. Punkt.
Der EverEve-Avatar steht da und weigert sich, sich den Strömungen der Gesellschaft anzupassen. Trotzig stampft er mit dem Fuß auf und intoniert „Along Comes A Fool“, rockig und dunkel erreicht seine Message den Hörer. Der schaut erstaunt und wundert sich.
Die spanischsprachige „Abraza La Luz“-Haut hat Brusthaare, trägt bis zum Nabel geöffnete Hemden und hat wilde, ungegelte schwarze Locken. Das fühlt sich gut an, rassig, warm, voller Temperament. Wir reden von einem Stil, der dem weichgespülten Latino-Pop-Boom voraus ging; echte Leidenschaft. Der Avatar ist umgeben von rassigen Latinas, Hüftschwung inklusive.
Wenn elektronische Popperlen à la „Silvergod“ die Boxen erbeben lassen, fegt das virtuelle Wesen über die schweißnasse Tanzfläche, genießt das Spiel mit Technik, Sounds und Samples. Die Erschaffung eines Albums, die Kreation von Musikstücken ist immer eine kleine Schöpfungsgeschichte. Wie weit kann der Mensch dabei gehen?
„Wie viel ist möglich? Wie frei ist der Mensch?“, fragt sich Sänger und Texter MZ Eve 51. Er dreht und wendet Gedankenspiele, erschafft Bilder, getrieben und neugierig. Wie autark ist eine Entscheidung und was hat das genetische Erbe damit zu tun? .enetics, genetics, evereve – richtig erkannt!
Einige Züge des Cyber-Kerls bleiben der wechselnden Hülle zum Trotz gleich. Ein melancholischer Blick, ein sarkastischer Zug um den Mundwinkel. Nimmt die Nachdenklichkeit überhand, legt das Geschöpf die Gitarren beiseite oder dreht den Saft leiser.
Der kleine Kloß, der sich dann im Hals breit macht, ist normal, das liegt an „Her Last Summer“. Diese Traurigkeit lässt die plastische Farbvielfalt des musikalischen Mienenspiels um so lebendiger erscheinen.
Musik ist Gefühl, ist nicht schwarz und weiß und vor allem nicht grau. Wut, Angst, Liebe, Hass und Trauer. Würde das alles gleich klingen, wie glaubhaft wär’ das wohl?
EverEve bescheren uns ein kleines, selbstgeschaffenes Leben in den unterschiedlichsten Gewändern. Welche Hülle der Avatar trägt, entscheidet der Hörer. Der Kern ist liebenswert und eigen, klischeeverachtend und authentisch.
.enetics lebt. (Tania Witte)